#Sechs

Allgemein

Systemcrash…..

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# system reloaded 0.1.a

Allgemein

Ich liege auf meinem Bett. Ich darf mich nicht bewegen, denn dann wird es nur schlimmer. Also lege ich meine Hand auf den Bauch, links, dorthin, wo die Rippen beginnen und halte ganz still. Die Augen geschlossen, konzentriere ich mich auf meinen Atem. Ich habe irgendwo gelesen, dass es dann vorbeigeht. Einatmen, ausatmen und immer so weiter, in den Bauch, dorthin wo meine Hand gerade liegt. Die Stille bohrt kleine Löcher in mein Herz. Es tut nicht wirklich weh. Es ist eher so ein unsägliches Kribbeln, ein ununterbrochenes Gefühlsvibrieren. Ich drücke meine Hand tiefer in den Bauch. Vor diesem Moment habe ich mich lange gefürchtet.

5 Jahre, 4 Monate. 3 Wochen. 65 Stunden, 43 Minuten, 27 Sekunden. 28. 29. 30.

Ich liege ganz still.

# system reloaded 0.1

Allgemein, Emofühle, IDENTITÄT

Ich liege auf meinem Bett. Ich darf mich nicht bewegen, denn dann wird es nur schlimmer. Also lege ich meine Hand auf den Bauch, links, dorthin, wo die Rippen beginnen und halte ganz still. Die Augen geschlossen, konzentriere ich mich auf meinen Atem. Ich habe irgendwo gelesen, dass es dann vorbeigeht. Einatmen, ausatmen und immer so weiter, in den Bauch, dorthin wo meine Hand gerade liegt. Die Stille bohrt kleine Löcher in mein Herz. Es tut nicht wirklich weh. Es ist eher so ein unsägliches Kribbeln, ein ununterbrochenes Gefühlsvibrieren. Ich drücke meine Hand tiefer in den Bauch. Vor diesem Moment habe ich mich lange gefürchtet.

65 Stunden, 43 Minuten, 27 Sekunden. 28. 29. 30.

Ich liege ganz still.

# FÜNF

Allgemein

Schau mir in die Augen Kleines….

Schwer diese Phasen in denen man nicht zu wissen scheint, wer man ist.

Wonach suchst du Liebes?

Wohin willst du gehen?

Seit Wochen dieser unruhige Schlaf. Der Versuch der Arbeit an sich selbst. Bitte, was soll das sein? Und wohin soll dich das führen? Laufen, laufen, laufen und trotzdem immer das Gefühl, nirgendwo anzukommen. Diese gefährliche Mischung aus halten und loslassen wollen.

Dein Bauch tobt und alles, was du zu wissen glaubtest, stellt sich selbst in Frage. Immer wieder neu. Ungehaltene Überaufmerksamkeit. Das Beobachten kleinster Details. Stumpfe Lebensrecherche ohne sinnvolle Oberbegriffe. Alltagsüberfrachtung.

Energieverlust, als Folge blinder Als-ob-Strategien. Liebes, wie ist das, kann man ankommen ohne wirklich loszulaufen? Das Verlassen des Hauses, als unbedingte Bedingung der Konfrontation mit dem Leben. Jetzt schau nicht so! Natürlich verlässt du das Haus. Natürlich lebst du dich tapfer durch deine Alltagswirklichkeit. Du siehst dich um und inhalierst Erfahrungen. Du lernst. Lernst dazu. Jeden Tag. Morgens als Bildungsanimateur und den Rest das Tages in diversen anderen sozialen Rollen. Die meisten passen dir gut.

Du könntest zufrieden sein. Aber dein Leben will dir trotzdem nicht so recht passen. Wie dieses Kleid, das ungenutzt in deinem Schrank hängt. Gekauft für irgendeinen Anlass, du kannst dich nicht erinnern. Was du gut erinnerst, ist dieses Gefühl. Etwas auf der Haut tragen, in dem du dich nicht sehen kannst. Weil du nicht weißt, wie man sich in dieser fremden Haut bewegt. Was denkt und fühlt eine Frau, die dieses Kleid trägt? Kleidung (als Verkleidung) bietet Schutz und ist der Boden für eine kindliche Unsicherheit zugleich. Niemand sieht dich, aber du siehst dich eben auch nicht. Wie grotesk.

Hast du dir dieses Kleid selbst angezogen Liebes?

Was würde passieren, wenn du das Kleid einen Moment lang ausziehen würdest. Schlüpf in was Bequemes. Was würde passieren, wenn du all die Fremdinformationen einen kurzen Moment ignoriertest, diese unstetigen Zwischentöne, die seltsame Impulse in dein Leben funken. Haben sie mit dir zu tun?

All die Fremdwut, die Kritik, die Belehrungen. Die emotionalen Fangarme, die dich von hier auf jetzt in eine andere Stimmungslage versetzen. Eine kurze Nachricht, ein Telefonat und du fällst aus deinem Leben in eine Art Zwischenwelt. „Warum hast du das getan?“ „Wieso hast du nicht dies und jenes gesagt?“ „Ich finde es komisch, wie du dieses Gespräch anfängst.“ „Du darfst jetzt nur über diese drei Punkte sprechen, alles andere ist egal.“ „Meinst du ich würde jetzt….“

Du rechtfertigst, siehst ein und sorgst für Harmonie. Was bleibt ist dieser bittere Geschmack im Mund, das ungute Gefühl im Bauch. Was bleibt ist das Kneifen deines Kleides.

Die Sehnsucht nach brutaler Ehrlichkeit treibt dich um. Nur, dass du dir selbst nicht sicher bist, was du damit meinst. Was ist das, Ehrlichkeit? Ist ja nicht so, dass du umhergehst und Lügen verbreitest. Du reflektierst (laut und leise) jeden vergangenen Meter, überlegst jeden Schritt nach vorn. Nur eben immer schön vorsichtig. Niemandem auf die Schuhe treten. Empathisch bis zur Selbstaufgabe. Und wenn dein Gegenüber einen Stich in Richtung Herz ausführt, dann braucht es im Schnitt acht Stunden, bis du deine Position wohltemperiert in Richtung Schmerzfreiheit gepolt hast. Alles wieder gut ist.

Merkst du was? Liebes!!!!!

# VIER

Emofühle, IDENTITÄT

Wünsch dir was!

Ich weiß Liebes, manchmal fehlt dir ein Gegenüber, welches dein Denken und Fühlen auffängt und mit der rechten Origamitechnik in sinnvolle Herzgebilde knetet. Was wäre das schön, die Schwere ästhetisch verformt in dein Kopfregal zu stellen und all die absurden, naiven und ängstlichen Gespinste später noch einmal lächelnd betrachten zu können. Sie lange anzusehen und stumpf zu denken… „Ach so war das.“

So einfach.

Nicht mehr. Nicht weniger.

Wäre da jemand, mutig und klug genug dir lang in die Augen zu sehen und den Dingen ganz einfache Namen zu geben. Verständlich und treffend. Befreit von der Sucht nach der Schönheit der sprachlichen Möglichkeiten. Worte folgen Worten. Nackt und streng umrissen. Klarheit der Klarheit wegen. Wäre da jemand, der den Atem hätte den Fäden zu folgen und mit dir gemeinsam die Knoten zu lösen. Befreit von alltäglichen Beiläufigkeiten. Wie wertvoll wäre so eine Kommunikation ohne Fremdbezug und Subtext. Ein Raum, offen genug, ein subjektiv verfärbtes Zurückprallen deiner Gedankenkonstrukte zu eliminieren, um das Gesagte einfach frei durch den Raum schweben zu lassen. Eine Betrachtung ohne Interpretation, ohne den Versuch der Deutung. Alles ist, wie es ist. Alles bleibt, was es war. Diagnostische Versuchsanalysen bleiben in ihren Fachtexten gefangen. Emotionen und Sichtwesen verkommen nicht zu möglichen Krankheitsbildern. Etwaige Krankheitsbilder bleiben bei ihren Erzeugern. Normalität bleibt als theoretisches Konstrukt bei ihren Anhängern und Alltagsverfechtern.

Ich weiß Liebes, manchmal fehlt dir die allzeit postulierte Authentizität. Da sein können, mit allem, was da ist und mit allem, was du mitbringst. Niemand an deiner Seite, der sich überlegen müsste, was dein Gesamtpaket eventuell mit ihm zu tun haben könnte. Groß ist deine Sehnsucht geworden, einfach sein zu dürfen. Den Fremdbezug abzustreifen und sagen zu dürfen, was du fühlst und erlebst. Wie du die Welt erlebst.

Nichts, was du erlebt hast, hat je ein anderer erlebt. Niemand ist je in deinen Schuhen gelaufen. Niemals bist du in den Schuhen eines Anderen gelaufen. Alles ist so unverkennbar subjektiv. Individualität, die gleichzeitig als Schmerz und Wohlgefühl auf deiner Haut kristallisiert und Spuren hinterlässt. Nur einmal magst du all deine Bilder an eine andere Wand projizieren dürfen, ohne die Fremdängste tragen zu müssen. Einmal nur Liebes, ein einziges Mal. Deine Interpretation, deine Schatten, dein Leben. Hossa!!!!

Dein Kopf so voll von all den Fremdgedanken und Emofühlen. Vielleicht, Liebes... einmal nur dem Egoismus frönen, vollständiger Selbstbezug, um wieder so eine Art innere Mitte zu finden. Klar, du magst bleiben, wie du bist. Was schmerzt, tut auch gut, ist ja Teilidentität par excellence. Aber einmal keine Rücksicht, kein Abwägen und kein Ausloten möglicher Nebenwirkungen. Einfach Krach machen, Porzellan zerschlagen und gucken, was es macht.

Die geistigen Zellen von ihrem Ballast befreien, reinigen. Ungerecht sein. Egoistisch. Ein Nehmer. Aufsaugen. Fallenlassen. Der Gutmenschstreik. Vielleicht nur manchmal, nur ein bisschen.

Sonntags Liebes…., Sonntags ginge es gut.

# DREI

Emofühle

Gewönne doch das (heimelige) Grundgefühl,

wenn du die Wahl hättest Liebes, dann würdest du alle Hyperlinks mit Traumaanbindung einfach entfernen und sie selbstredend in schwer zu recherchierende Standarttextformate transformieren. Zack! Nicht mal den Status Überschrift würdest du ihnen gönnen. Noch da, aber nicht mehr so präsent. Wie sinnvoll das wäre. Du bist es so leid, dass alles bezugnehmend interpretierbar geworden ist. Sichtweisen sich auf einen einzigen Nenner reduzieren lassen.

Kein Wunder, dass du Neuankömmlingen in deinem Leben, Teilaspekte deiner Biographie einfach nicht mehr erzählst. Dann fragt halt. Oder eben nicht. Wie bequem das ist.

Empfindlich bist du geworden.

Am liebsten hieltest du dir die Ohren ganz fest zu, wenn wieder einer dieser Spaziergänger in dein Leben zu schlendern versucht, um mal kurz darüber zu diskutieren, was du verbessern könntest. Mal eben deine Jobsituation auseinandernehmen und dir sagen, was zu tun wäre. Ähm, ja. Ist gerade nicht dein Thema …, aber du wirst nach diesem Gespräch doch wieder mit diesem Gefühl zurückbleiben, nicht engagiert genug zu sein, nicht genug zu tun und im Grunde dann doch für den ganzen Überfrachtungsscheiß in deinem Leben selbst verantwortlich zu sein. Kein Thema, arbeitest du dich eben noch mal ein, Argumente, wie Ferienzeiten und Homeoffice ist anstrengend, aber in meiner Situation ganz praktisch, sind ja eh nur Ausreden. Sag doch mal, warum du nicht in einem Kinderhospiz arbeiten möchtest. Ich guck mal, ob ich deiner Argumentation zu folgen im Stande bin und inwiefern deine Ausreden gelten könnten.

Meine Güte denkst du oft, kann man nicht einfach mal jammern und meckern, so wie andere Leute auch. Oder kann eben mal jemand daran denken, dass manche Scheiße einfach Scheiße bleibt und nicht wegzuoptimieren ist. Zu akzeptieren, dass der Rucksack des Gegenübers einfach ein paar Kilo schwerer und dass Besserwissen nicht immer ein Geschenk ist…, das wäre doch mal was. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.

Und während du dich früher und ohne diese Traumareduktion, einfach wütend gegen jedwede Bevormundung zu wehren verstandest, blinkt jetzt all zu oft diese Alarmlampe in deinem Kopf. Einfach nur wütend sein, ist nicht. Da ist eher dieser dumpfe Nachhall und der fiese Kater danach. Was, wenn an der Spaziergängerkritik was dran ist. Und dann lässt du interpretieren und besprechen. Deine Wohnung ist noch zu sehr wie früher, was die Frage zulässig macht, ob du genug abgeschlossen hast. Du bist nicht offen genug und da kann man sich doch mal fragen, also bitte schön, ob du an deinem Mangel an Sozialkontakten nicht im Grunde einfach selbst Schuld bist. Nun erzähl doch mal was Lustiges, wenn du meinen 20 Freunden gegenübertrittst, der Klaus kann das doch auch. Klar möchte ich, dass du dich meinen Freunden genau so zeigst, wie du bist, wenn wir allein miteinander sind. Das ist es ja, was ich den anderen von dir zeigen will. Und sicherlich kann ich erwarten, dass du nicht nur die Party ausrichtest, sondern danach auch frisch geduscht den Sekt verteilst und eleganten Smaltalk führst. Aber schön gediegen, denn wenn du zu sehr aufdrehst, das mag ich auch nicht. Es gibt da schließlich die Regeln des guten Geschmacks einzuhalten und für dein Kind, bitte sehr, gilt das gleiche. Kann ja nicht so schwer sein.

Für alles gibt es Regeln und diese waren dir nie so offenbar, wie nach dem großen Knall. Der Witz an der Sache ist und der schmeckt bitter, dass du vor dem Knall viel hilfloser und unstrukturierter durch dein Leben torkeltest. Aber damals gab es einfach keine Reduktionslinie und du warst einfach nicht sehr offen für Dauerkritik an deiner Person. Selbst Schuld Liebes.

Dann versuchst du eben immer wieder alles anders zu machen, weil einer der Spaziergänger mal eben die Augenbrauen kritisch bewegt hat. Gib doch einfach alles frei und lass es auswärts diskutieren.

Und so sehr ich in deinem Unverständnis gegenüber den Spaziergängern bei dir bin, sie können nur mit dir machen, was du mit dir machen lässt. Wenn du weiter Wertschätzung unterrichtest, sie aber in deinem Leben nicht einforderst, dann ist das, entschuldige die Ausdrucksweise, dein Bier. Das Grashalm-im-Wind- Gefühl, trägst du in dir. Es sind deine Hyperlinks, die du nicht entschärfst. Du lässt doch jeden wahllos darauf herumklicken.

Und statt dich immer fort weiter zu verbessern, wäre es vielleicht mal an der Zeit nachzusehen, woher das kommt, dass du nicht einfach sagst…so Leute und nu is ma Schicht im Schacht. Behaltet eure Interpretationen, Schuldzuweisungen und Optimierungsvorschläge einfach für euch. Zieh dein lotuseffektiertes Regenmäntelchen an und lass abperlen, was nicht zu dir gehört.

Bauchgefühl an und fertig. Dann muss du vielleicht auch die Überfrachtung deiner Lebensumstände nicht mehr so heiß diskutieren. Nicht mal in dir selbst. Weil du den Spaziergängern ihre Verantwortlichkeiten zurückschenkst und sie mal selbst machen lässt und deine Verantwortlichkeiten so sehr geschrumpft sind, dass dauerhafte Übersichtlichkeit zu erwarten ist.

Und wenn sie dann gehen, weil du bist, wie du bist, dann halte sie nicht auf. Lass sie gehen. Fordere vor allem von dir deinen Selbstwert zurück und schau, was passiert.

Bis dahin Liebes, ….

# ZWEI

Amnesie, Selbstoptimierung und Sprachlosigkeit

Liebes, ich wünschte ich wüsste….

Ich will ehrlich sein, ich wünschte, ich wüsste etwas zu sagen, was man als unumstößliche Wahrheit gelten lassen könnte oder wenigstens etwas, was der Wahrheit nahe kommt. Aber so ist das nicht. Fakt ist doch, unser Leben verändert sich, so oft wir es jemandem erzählen. Wir legen unsere neu gewonnenen Erfahrungen und Sichtweisen auf retrospektive Gefühlslandschaften, damit sie auch in der Rückschau noch nachvollziehbare Schatten auf unser Leben werfen. Immer, wenn wir neu auf unser Leben schauen, ändern wir damit auch unsere Erinnerungen, verändern sie. Nicht absichtlich. Vielmehr versuchen wir von unseren jeweils neu gefundenen Standpunkten aus, Erklärungen zu finden. Wir wollen irgendwie stehen bleiben und alles muss immer Sinn machen. Wie schwer fällt es einfach zu sagen, dass man für dieses und jenes einfach keine Antwort hat. Wie sehr wehren wir uns dagegen, einen Erinnerungsfetzen unserer biografischen Konstruktion frei schwebend zu akzeptieren. Alles wird doch immer eingebunden in einen wie auch immer gearteten Erzählstrang. Wir haben eine Geschichte, eine Lebensgeschichte und die sollte eine erinnerbare und chronologische Erzählstruktur aufweisen, um uns zu erklären, wer wir sind und warum wir sind, wer wir sind. Warum ist dies und jenes geschehen. Was waren Auslöser für persönliche Erfolge, Siege oder Katastrophen. Jeder Moment unserer biografischen Betrachtungen wird unter absolut divergierenden Betrachtungsweisen entblättert und analysiert. Je nach dem, was ich gerade ansehe oder suche, welches Detail mich gerade interessiert, ändert sich das Erinnerte. Es wird darauf abgestimmt und zurecht gezimmert bis es passt. Wie unterscheidet man zwischen Wahrheit und Lüge. Wie verteilt man Schuld und Verantwortung.

Du, Liebes versuchst darüber hinaus an dieser Stelle eine Biographie aufzuarbeiten -> ohne die blinden Flecken laut zu benennen. Und du versuchst Erklärungen aus dir selbst heraus zu erzeugen, für die selbst die Wissenschaft keine Erklärungen hat. Wie ein fünfjähriges Kind wiederholst du Tag für Tag die immer gleichen Fragen. Dies Liebes hat keinerlei Aussicht auf Erfolg.

Bestimmte Dinge sind hinzunehmen. Der Verzicht auf die Hermetik deines Denkens, die Akzeptanz der Tatsache, dass sich einige Fragen beantworten lassen und andere nicht oder sich einige Fragen erst beantworten lassen, wenn du es geschafft hast den Container deines Erinnerns einfach frei auf den Weg zu schütten, könnte ein durchaus begehbarer Weg sein. Und eben die Akzeptanz, dass wahr ist, was du für wahr hältst. Du selbst, konfrontiert mit einer Fremdwahrheit, die einen so großen Einfluss auf dein Leben hat, müsstest wissen, dass eben jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat und mit ihr leben muss. So what…?

Was also tun? Die Füße still halten und all den Gedankenmüll in Herz, Magen und Hirn weiter tragen. Oder der Versuch loszulassen. Natürlich unter der akzeptierten Voraussetzung, dass es falsch sein könnte, was du da textlich produzierst.

Also, fuck off Hermetik oder so….

In innigen Gedanken Liebes, einen Versuch ist es allemal wert….

#Anbei: Die Elenden (Erinnerung)

# EINS

Amnesie, Selbstoptimierung und Sprachlosigkeit

Chapeau Liebes,

soeben hast du das neunte Übungsheft ordnungsgemäß ausgefüllt. Auf der Suche nach dir selbst. Und darf ich zärtlich fragen, ob du dich gefunden hast? Zwischen den Seiten? Irgendwo? Ich weiß, es hilft dir einzuschlafen. Hält die Angst im Zaum. In der Hoffnung die Schreibblockade zu lösen, füllst du tapfer Zeile für Zeile. Lässt dich belehren, über Achtsamkeit, Kreativität, Resilienz und all die anderen postmodernen Novitäten. Wenigstens bist du nah am Zeitgeist. Immer up to date sozusagen. Gratulation. Aber wohin führt es dich?

Das, was einmal Teil deines Selbst war, verbirgt sich weiter stur hinter überbordenden Gedankenkonstrukten, hinter Scham, Schmerz und Angst. Als hätte man dir den rechten Arm abgerissen, als wärst du über Nacht erblindet, gehörlos, sprachlos, stumm. Du weißt, da ist noch etwas, aber du bekommst es nicht zu fassen.

Dein Zugang zu dir selbst führte immer schon über das geschrieben Wort. „Meine Hände sind klüger, als mein Kopf“, hast du immer gesagt und dann war da dieses Lächeln. Schreiben, immer eine Versicherung im Lot zu bleiben, Gleichgewicht zu erlangen. Einige Runden mit den Fingern über die Tastatur tanzen, sich schwindelig tippen, bis man leer ist und zufrieden. Angst, Scham und Schuld dem leeren Blatt zum Fraß.

Jetzt, da das Schreiben versiegt ist, so scheint es, sammelt sich alles ungefiltert und direkt in Magen, Herz und Hirn. Du möchtest ausspucken, aber dein Körper hält alles fest. Vergiftet sich mit den eigenen Gedanken, die ungeordnet und zielgenau jede Zelle zu töten scheinen. Langsam, qualvoll und verlässlich.

Der Weg über die dritte Person, ein möglicher (Aus-)Weg? Die direkte Ansprache, als List?

Liebes, hör auf dich selbst optimieren und vor allem hör auf gefallen zu wollen. Ist es nicht genug? Hast du nicht alles versucht und gegeben. Egal von welcher Seite du dich näherst, es ändert nichts. Du hast versucht deine vermeintlichen Fehler zu glätten, hast dich eingelassen und dich zu Tode reflektiert. Mach einen Strich. Akzeptiere das Ergebnis dieser fremden Wahrnehmung. Warte ab und suche in dir.

Finde zurück zu dir. Schreibe. Versuche mit deinen Gefühlen, Erinnerungen und Erkenntnissen keine Literatur zu formen. Lass es fließen. In welcher Form auch immer. Ich bin da. Und ja, Liebes -> ich weiß….,während deine Finger wieder ungelenk und zaghaft hier über diese Tastatur gleiten, hast du Angst. Eine Angst, die sich zur Panik ausweitet. Die sich im Magen sammelt und bis zu den Fingerspitzen ein unangenehmes Kribbeln aussendet. Die dich anhalten will aktiv zu werden, blind zu agieren, um zu versuchen die Wogen zu glätten, alles wieder heile zu machen. „Bitte“, flüstert es in dir, „bitte mach, dass es sich wieder gut anfühlt.“

Aber vielleicht musst du ersteinmal durch den Schmerz, um Ruhe zu finden. Und egal, wie es ist, du wirst die Ruhe nur in dir finden. Sprich das Unsagbare aus, lass das Unfassbare hier zurück. Verwandle diese schweren Gefühle in Nullen und Einsen und zurück in Worte und vor allem, lass sie nicht dein Leben bestimmen.

Liebes, bis später und ciao….